Reisebericht vom April 2017

 

Nachdem ich im Winter immer wieder zum Schiff in Port St. Louis ging, um noch etliche Arbeiten am Schiff zu erledigen, war es wieder einmal so weit. Ich stand mit den gepackten Taschen und ein Auto voll mit Material vor dem Schiff. Role hat mich mit all dem Krämpel nach Port St. Louis gebracht. 

Nun geht es los, mit einem halben Jahr Segeln im Mittelmeer. Das klingt erst mal nach unendlich viel Zeit. Leider hat das ganze einen Haken. Denn ich habe einen Termin den ich einhalten muss. So dass ich in gut 3 Wochen in Cagliari sein muss. Cagliari liegt am Südende von Sardinien.

Mit Freude, und der ständigen Frage was ich wohl noch alles vergessen habe, waren die letzten Vorbereitungen schnell erledigt, und schon wurde das Schiff ins Wasser gelassen.

Nun aber los, daraus wurde mal nix. Es war so viel Wind angesagt, dass ich mir das nicht schon zum Start antun wollte. Dann ein Schönwetterfenster und ich stach am Freitag den 14.04. los Richtung Frioul, eine Insel vor Marseille. Ich musste mich zuerst wieder ans segeln gewöhnen. Da half es wenig, dass der Wind unterwegs ständig zunahm, so dass ich doch mit Starkwind und 1-2 Meter hohen Wellen ankam. Also nichts mit Ankern, also rein in den Hafen. Da sass ich wieder 3 Tage fest. Da lernte ich meinen Stegnachbar Arie kennen. Ein Holländer der mit einem 8 Meter Segelbötchen unterwegs war.

Die Wetterfrösche sagten einen Tag leichtere Winde voraus, also verliessen Arie und ich die Insel und segelten nach Cassis, ein kleiner aber Superschöner Hafen. Da wieder einen Tag abwettern.

Man kann halt nichts erzwingen, und schon gar nicht auf See. Aber dann ab dem 19.04. war endlich gutes Wetter angesagt. So dass wir weiter nach Porquerolles segelten. Ein 7 Stunden Segeltörn vom feinsten. Die Segelmanöver gingen schon besser von der Hand.

Ich wollte eigentlich Ankern, Arie hatte aber Motorenprobleme und ging in den Hafen. Als er mich später anrief und meinte, die Nacht im Hafen koste nur 40 Euro, ging auch ich in den Hafen.

Was eine gute Entscheidung war. In der Nacht brach ein Sturm los mit über 40 Knoten Windgeschwindigkeit. Das sind 80 KMH und mehr. Zum Glück war mein Boot gut angebunden, es schaukelte heftig und der Lärm des Windes war auch ohrenbetäubend, aber sonst war nichts wirklich Gefährliches.

Als Arie und ich am nächsten Tag zusehen konnten wie gestrandete Segelschiffe wieder ins Wasser gezogen wurden, entschied ich mich noch zum Kauf eines neuen schwereren Ankers.

Am Freitag den 21.04. Morgens um 9 00 Uhr Startete ich ohne Arie zur grossen Überfahrt nach Korsika. Geplant war für die 116 Seemeilen übers offene Meer eine Segelzeit von 26 Stunden. Es waren zu Beginn sehr gute Bedingungen, ich kam sogar schneller voran als berechnet. Die Insel Porquerolles wurde immer kleiner und schon war sie verschwunden. Ganz allein und weit und breit nur Wasser. Nicht lange, denn grosse Frachtschiffe sieht man immer wieder am Horizont verschwinden und auftauchen.

Zu meiner Überraschung sah ich plötzlich etwas neben meinem Boot im Wasser. Es ging einen Moment bis ich realisierte das es Delfine sind. Sie begleiteten mich etwa 10-15 Minuten, und so wie sie kamen, so verschwanden sie auch wieder.

Dann ging langsam die Sonne unter, und die Nacht brach herein. Stockdunkel, was sehr unangenehm war, da ich die Wellen nicht mehr sehen konnte, nur noch hörte, und viel mehr auch spürte. Mir kam es vor, als dass die Schiffsbewegungen immer heftiger wurden. So stolperte ich Korsika entgegen.

Aber auch diese Nacht ging zu Ende und da war sie auch die Insel Korsika. Ich fuhr mit dem ersten Tageslicht in den Golf von Girolata ein und ich machte an der erst besten Boje die ich sah fest. Da ja eh noch niemand auf war ging ich erst mal schlafen. Etwa 2 Stunden später hörte ich ein Klopfen. Verschlafen schaute ich nach was da los sei. Es war der Hafenmeister der meinte, dass ich hier nicht liegen dürfe, als ich Ihm erklärte, dass ich direkt von Pauquerolles käme und halt müde war, und etwas Schlaf gebraucht hätte, lachte er und meinte ich soll noch bis Mittag schlafen gehen, dann die Boje wechseln. Gesagt getan. Erst jetzt bemerkte ich in was für einer traumhaft schönen Bucht ich geraten war. Die Bucht ist mit hohen Bergen umsäumt, so dass sie nur vom Land her über einen langen Trampelpfad erreichbar ist.

Nach einer gut durchschlafenen Nacht ging es wieder weiter Richtung Süden. Hätte ich doch mehr der Wettervorhersage, und weniger meinem Bauch getraut. Gegen einen starken Wind und noch stärkerer See bolzte ich unter Motor gegen an. Die Wellen kamen in so kurzer Folge, dass es schwierig war sie auszusteuern. Was zur Folge hatte, dass das Schiff in heftige Rollbewegungen ausbrach. Als ich genug davon hatte, entschied ich mich den winzig kleinen Hafen von Cargèse anzulaufen. Das Anlegen im Hafen war eine Herausforderung. Da hier in praktisch allen Häfen mit Moorings Leinen angelegt wird. Das heisst, mit dem Bug oder Heck im 90 Grad Winkel zur Pier, wo dieser festgebunden wird. Dann nimmt man die Moorings Leine, das ist eine Leine welche von der Pier direkt auf den Grund des Hafenbeckens geht. Und marschiert ans andere Ende des Schiffes und bindet es dort fest. Klingt einfach, ist es auch für Schiffe mit mehreren Personen an Bord. Bei mir ist das Ganze eine ein Mann Show. Das heisst ich fahre mit dem Bug in einem Winkel von 90 Grad zur Pier und stoppe kurz davor auf. Was schwierig einzuschätzen ist, da ich ja am anderen Ende des Schiffes bin. Dann so schnell und sicher wie möglich nach vorn um die Bugleine zu belegen. Dazu muss ich aber vom Schiff. Dann beim Zurückgehen die Mooringsleine mitnehmen. Natürlich herrscht Seitenwind, so dass das Schiff, weil es ja schwimmt mit dem Wind seitwärts zur Pier driftet.  Dies gilt es nun mit Manneskraft an der Mooringsleine zu verhindern. Was nicht ganz leicht ist, schliesslich ist das Schiff ja 12 Meter lang und wiegt über 10 Tonnen. So irgendwie habe ich das Anlegemanöver hingekriegt.

Am nächsten Morgen war der Wind weg. Kein Wind, also wird der Motor heute mächtig arbeiten müssen. Das bedeutet für mich weniger Arbeit, Autopilot rein und los geht es. Der Küste entlang, welche wunderschön anzuschauen war, mit den Schneebedeckten Bergen im Hintergrund, und schon war ich am heutigen Ziel angelangt. Eine grosse Bucht, an deren Ende direkt vor dem Sandstrand gute Ankerbedingungen herrschen. Das einzige Problem war, wo genau an diesem ca 1 Kilometer langen Strand soll ich nun den brandneuen Anker hinschmeissen. Ein Luxusproblem.

Nach einer sehr ruhigen Nacht war auch der Wind wieder da. Also Segel hoch und weiter Richtung Süden. Nachmittags nahm der Wind merklich zu. Als ich bereits ans Reffen (verkleinern der Segelfläche) dachte, drehte der Wind. So dass er direkt von vorne kam. Da ist natürlich nichts mehr mit Segeln. Auch die Wellen bauten sich dermassen auf, dass es unangenehm wurde. So entschied ich die kleine Bucht Murtoli anzulaufen. Dort ankerte ich sehr nahe an den Felsen welcher guten Schutz boten. Leider drehte auf den Abend der Wind seine Richtung, so dass ich noch näher an den Felsen lag. Das gefiel mir gar nicht, also Anker hoch und parkieren um, sonst war die Nacht ruhig.

Ein wunderschöner Morgen erwartete mich. Weder Wolken noch Wellen und schon gar kein Wind war zu sehen. Was mir ausnahmsweise gut gefiel. Denn heute wollte ich die Strasse von Bonifatio überqueren. Die Strasse von Bonifatio trennt die Inseln Korsika und Sardinien. Über diese Strasse höhrt man einiges, nur selten was Gutes. So motorte ich bei sehr ruhiger See der Insel La Maddalena entgegen. Auf welcher ich im Hafen von Govetta anlegte. Der Hafen von Govetta liegt mitten im Hauptort der Insel, und ist sehr belebt. Hier kaufe ich neue Lebensmittel ein, und erledige kleinere Arbeiten am Boot. Auch die schmutzigen Kleider mussten mal gewaschen werden, eine Wäscherei im Hafen erledigte das für 10 Euro.

Mit vollen Wasser und Dieseltanks ging es am Samstag weiter. Das Navigieren zwischen den kleinen Inseln, welche sich zwischen Korsika und Sardinien befinden ist nicht sehr anspruchsvoll erfordert aber ständige Aufmerksamkeit da hier viel Schiffsverkehr herrscht.

In der Bucht von Olbia hatte ich eine folgenschwere Begegnung mit einer Motorjacht. Ich passierte die treibende Motorjacht in einem Abstand von ungefähr 200 Meter. Als ich zurückschaut sah ich wie die Yacht mein Kielwasser querte. Was an und für sich kein Problem ist, leider hatte ich beide Schleppangeln ausgelegt. Ein lauter Knall und die eine Rute war weg. Obwohl ich sie noch mit einer Schnur gesichert hatte. Die andere bog sich gefährlich durch, sie konnte ich glücklicherweise retten. Auch wenn praktisch die ganze Monovielschnur weg war.

Am Abend Ankerte ich wieder in einer schönen Bucht. Der Tag danach begann mit Windstille. Also spielte der Dieselmotor für mich den Wind. Nach etwa einer Stunde setzte leichter Wind ein. Also hoch mit den Segeln und mal schauen wie schnell wir sind. Anfangs noch zögerlich entwickelte sich eine stehte Briese die ein traumhaftes Segeln bot. Einziger Nachteil der wind ist jetzt Ende April doch noch sehr kalt. Also Sonnencreme im Schrank lassen und Jacke anziehen. Am Abend ankerte ich vor einem Sandstrand Porto Istane. In der Nacht drehte der Wind so, dass ich nun quer zu den Wellen lag. Was bedeutete, dass das Schiff sehr unangenehm Rollte, so dass ich wie in einer Waschmaschine in der Koje durchgeschüttelt wurde. An einen erholsamen Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich war froh als der Morgen kam, und ich den Anker lichten konnte. Weiter nach Süden, zu meinem Pech blies der Wind aber genau von da. Zum Aufkreuzen gegen den Wind hatte ich nun wirklich keine Lust. Also schnurrte der Dieselmotor den ganzen Tag. Bis ich die Bucht Porto Frialis ansteuerte. Eine kleine aber gut geschützte Bucht, welche doch den besseren Schlaf versprach als die letzte Nacht.

Die Nacht war dann doch nicht so wie ich erwartet hatte, denn die Bucht war gegen alle Seiten gut geschützt ausser gegen Süden. Genau von da kam aber die Wellen, so dass es wieder eine unruhige Nacht wurde.

Der Morgen war dann wieder wunderschön. Kein Wölkchen war zu sehen und Windstill war es auch. Anker hoch und weiter unter Motor nach Süden. Der Tag verlief ohne nennenswertes, ausser das mich die Italienische Marine verfolgte, und mir über Funk erklärte, dass hier Militärische Übungen stattfänden und ich nicht näher als 1 Seemeile zum Strand dürfte. Ich erklärte, dass ich das nicht vorhätte, das genügte Ihnen und sie Brausten davon. Ich staunte wie schnell und wendig dieses etwa 50 Meter lange Schiff war. Schon war ich in der Bucht Cala Sa Figu. Klein aber fein, aber das wichtigste, sie ist gegen den immer noch vorherrschenden Südwind geschützt. Kurz vor Sonnenuntergang machte der Wind für einmal auch Feierabend. So dass ich zum ersten Mal seit ich unterwegs war draussen sitzen konnte, ohne zu frieren. So genoss ich den Sonnenuntergang, welcher auch Hollywood nicht kitschiger hingekriegt hätte.

Der letzte Tag bis Cagliari brach an. Bei Flaute motorte ich los. Bis ich ums erste Cap kam, da setzte der Wind ein.

 

Genau von hinten, so dass ich vorerst mal nur das Vorsegel setzte. Mit 6 Knoten speed ging es zügig voran, also liess ich das Grosssegel gleich unten. Eine kluge Wahl. Denn erstens blies es immer heftiger und zweitens waren die Wellen jetzt auch unangenehm hoch, so um die 2 Meter. Trotzdem war ich dann doch schneller in Cagliari als berechnet. Bereits um 16 00 Uhr machte ich in der Marina del Sole fest. Hier treffe ich nun meine Gäste, mit Ihnen werde ich die nächsten 2 Wochen den Süden von Sardinien erkunden.